Samstag, 1. Februar 2014

Cogito exito

Ich weiß eigentlich garnicht so wirklich wie ich das jetzt eigentlich schreiben soll, aber meinst du es würde n Unterschied, so für dein Leben machen, wenn du erfahren würdest, dass du die einzige Person bist die existiert?

Also ich mein's jetzt nicht so Matrix-mäßig, dass du mit ganz vielen anderen Menschen in einer computergenerierten Scheinwelt lebst, die in Wirklichkeit nicht real ist, sondern, dass du mit ganz vielen computergenerierten Menschen in einer computergenerierten Scheinwelt lebst und außer dir überhaupt garnichts real ist.

Ich glaub den Gedanken hatte ich unterbewusst schon letztes Jahr, als ich jeden Tag stundenlang Animal Crossing New Leaf gezockt hab. Was heißt gezockt: Ich hab da drin halt wirklich gewohnt.

Animal Crossing ist dieses coole Spiel wo du als großköpfiger kleiner Mensch in einer Welt voll mit großköpfigen kleinen Tieren lebst, die alle deine Nachbarn sind und du gehst den ganzen Tag angeln und bringst für deine Ingame-friends Briefe von A nach B oder schüttelst Bienenester und Möbel von Bäumen und so.
Auf jeden Fall ist es total friedlich und harmonisch und du hast kein wirkliches Ziel und baust dir so irgendwie Traumhaus und Traumstadt auf und chillst dann da mit deinen Tier-BFs.

Und ich dachte, dass es ja cool sein könnte in sonem Spiel zu leben, weil du für immer ne total stressfreie Zeit hättest. Einziges Problem wäre irgendwie: Deine Stadt ist furchtbar klein und alles wiederholt sich. Und das kannst du eigentlich auf so ziemlich jedes Spiel übertragen.

KI-generierte Charaktere, selbst wenn sie darauf ausgelegt sind mich längere Zeit zu unterhalten, wiederholen sich irgendwann. Und eine computergenerierte Landschaft hat eine gewisse Fläche in der ich mich aufhalten kann, aber ich komm eben nicht über den Rand raus.

Und es ist irgendwie komisch, aber seit ich das weiß, merke ich irgendwie, dass die "Realität" doch voll nicht anders ist.
Die Erde ist doch eigentlich klein und die Anzahl an Menschen die du kennen lernen kannst ist auf 7 Milliarden oder so begrenzt, was erstmal viel erscheint, aber eben auch nur, weil das Leben so kurz oder die Wahrnehmung so eingeschränkt ist. Und ja, es kommen und gehen ständig welche, aber die Zahl an Menschen die man gleichzeitig kennen könnte, wenn man die Fähigkeit hätte alle kennenzulernen, ist eigentlich immer beschränkt.

Irgendwie bin ich halt am Ende doch auf diesem kleinen Planeten gefangen und wenn man denkt, dass das Universum unendlich ist, muss das n ziemlich winziger Teil der gesamten Existenz sein oder?

Vor allem: Was ist mit den Anderen? Ich meine: Sind die echt? Seid ihr das? Oder aus deiner Perspektive, falls du, der das hier liest, die einzige Person bist die real existiert: Bin ich echt?
Ich meine irgendwie weiß ich das, so aus meiner Sicht und unter der Annahme, dass wir nicht alle verschiedene Persönlichkeiten ein und derselben schizophrenen Existenz sind, aber was wenn doch?
Oder was, wenn es euch nicht gibt? Oder uns? Alle außer dir. Oder mir.

Ändert das was?
Wenn ich wüsste, dass alle außer mir keine denkenden und fühlenden Wesen wären, was eben nur schwer zu beweisen ist, weil ich nicht in ihren Kopf gucken kann, würde ich dann anders leben?

Ich würde am Ende ja auch nicht anders ihnen gegenüber sein können, weil sie Teile meiner Realität sind. Wenn ich anfange achtloser mit ihnen umzugehen, nur weil sie keine denkenden Wesen, sondern vielleicht ja auch nur Einbildungen sind, werde ich trotzdem, innerhalb der Ebene, die ich für die Realität halte, irgendwie dafür gestraft. Mit Ablehnung. Oder Knast. Irgendwie sowas.

Und wenn das Gefängnis in das ich gesteckt werde oder der Hass der mir entgegenschlägt nicht real wäre, käm ich ja, innerhalb dieser "Realität", trotzdem nicht mehr raus oder davon weg.
Und das müsste irgendwie heißen, dass es egal ist, ob es andere in der Form gibt, wie man weiß, dass es einen selbst gibt, solange man nicht auf ne höhere Bewusstseinsebene kommt, sofern so eine überhaupt existiert. Weil die Folgen real genug scheinen.

Aber trotzdem würde es für mich irgendwie n Unterschied machen, wenn ich wüsste, dass die anderen Menschen nur bedingt so wahr sind wie ich denke. Glaube ich zumindest.

Aber ich denk ja schon, dass wir alle echt sind. Und dass wir eigentlich ziemlich klein sind. Und es ist gut, dass wir so klein sind, weil wir sonst merken würden, wenn wir größer wären, wie klein und begrenzt die Fläche ist auf der wir uns aufhalten. Und dass sich vieles wiederholt.
Wie in einer kleinen quadratischen Stadt am Meer, die du nicht verlassen kannst. Und die du mit sprechenden Tieren teilst, die irgendwann anfangen werden immer wieder das gleiche zu sagen.

Cogito exito




1 Kommentar:

  1. Ich liebe deinen Schreibstil! Danke für diesen tollen Post, es hat mir richtig gefallen ihn zu lesen - ich habe mir auch schon oft genau solche Gedanken gemacht. Es gibt in der Philosophie sogar einen namen dafür (den ich vergessen habe), dass man annimmt dass nur man selbst real ist und nicht wissen kann ob die anderen es auch sind usw.

    Ich finde das eigentlich sehr spannend, und ich muss sagen, in Momenten wo ich große Angst vor der zukunft und dem Leben an sich habe, oder mich der Gedanke einfach wahnsinnig macht wie unfassbar unwichtig und dumm und klein so ein Menschenleben mit seinen Problemchen eigentlich ist - in solchen Momenten hilft es ungemein, wenn man sich überlegt, dass man eigentlich auch genausogut der einzige "wirkliche" Mensch sein könnte, und alle anderen existieren nur um einen herum, sind aber nicht 'wirklich'.... es klingt zwar egozentrisch, aber die Vorstellung hilft mit der Angst klarzukommen, dass man selbst vielleicht gar nicht wirklich existiert. Klingt das verquer? :'D
    Anyway. Ich finde du hast das alles sehr schön ausgedrückt :) Danke!

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