Freitag, 7. Juni 2013

Ambivalenz

Das Problem bei der Selbstfindung ist für mich in erster Linie das Umsetzen von dem was gefunden werden soll. Das heißt, ich weiß zumindest ungefähr wie ich gerne sein will. Die Frage ist für mich nur irgendwie, ob es überhaupt richtig ist, sich selbst zu dem zu machen, was man sein will, anstatt das zu bleiben was man (wirklich?) ist. Aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass es falsch ist. Immerhin ist man am Ende doch glücklicher oder?

Will ja auch meinen Charakter nicht völlig aufgeben, sondern mich eher "verbessern". Außerdem ist das, was ich werden will, ja irgendwie auch Teil von mir. Zumindest der Wille es zu werden. Also wird das schon klar gehen.

Das Problem ist eher, dass ich zwei Sachen sein will. Am besten gleichzeitig. Und wer das schonmal versucht hat, wird feststellen, dass es Einfacheres gibt. Sicher auch Schwereres, aber trotzdem... ist halt durchgehend nicht so wirklich drin. Zumindest wenn man so gegensätzlich ist für wie ich mich halte.

Manche bestätigen das. Also, dass ich ein wandelnder Gegensatz sei. Und irgendwie gefällt mir die Vorstellung auch, deswegen hoffe ich einfach mal, dass dieser Post kein weiterer Selbstdarstellungsversuch ist, angetrieben durch die Profilierungssucht meines Unterbewusstseins. Andererseits geht's beim Bloggen ja aber auch irgendwie um Selbstdarstellung. Also was soll's.

Auf der einen Seite wär ich gerne irgendwie kultiviert oder stilvoll. Ich könnte anfangen Hüte zu tragen. Hüte sind cool. Nicht diese komischen Modedinger aus dem Klamottendiscounter, sondern solche wie man sie in den 20er bis 50er Jahren noch getragen hat.
Ich könnte Jazzmusiker sein, Autor oder Philosoph. Künstler. Wollen ja alle irgendwo gerne Künstler sein oder?
Ich könnte ne kleine Bar haben oder sowas. Vielleicht mit Billiardtisch.
Vielleicht würde ich auch Zigarren rauchen. Oder eher paffen. Einfach nur weil es cool aussieht. Rauchen allgemein sieht cool aus. Musste von einem Nichtraucher mal gesagt werden.

Andererseits wär ich gerne frei, gesellschaftskritisch und rebellischer als jetzt, mit Piercings, Tattoos und einer coolen Haarfarbe. Vielleicht könnte ich mich für was einsetzten und ein bischen von der Scheiße die da draußen so läuft verändern. Ich hätte nach wie vor gerne sowas wie ne Band, die Lo-Fi Gitarrenmusik produziert und ich könnte ein paar "Scheiß auf euch alle"-Texte ablassen, von denen ich mir immer so viele aus den Fingern saugen kann.
Ich würd mir ne kleine Wohnung besorgen. Ohne Tapete und mit Betonboden. Eine Matraze auf ein paar Holzpaletten und die Wände werden von mir und meinen Freunden bunt besprüht. Ansonsten eben das nötigste, aber kein unnötiger Überfluss. Warum auch?

Am liebsten hätt ich beide Leben. Jetzt sofort. Und wenn man sich klonen würde, würd ich's tun. Ist im Grunde egal, was davon ich werde und was mein Klon, der ja irgendwo auch ich ist. Hauptsache ich hab einfach alles.

Im Moment hab ich aber kaum was von Beidem. Und vielleicht hab ich in nem Jahr schon mein drittes Leben und viertes Leben verplant. Könnte schwierig werden.

Also Wissenschaft : beeil dich mal mit dem Klonen und so.

Und ja : Furchtbar Ich-bezogener Post mal wieder.
Danke, dass du so weit gelesen hast.
Du bist cool.






Kommentare:

  1. das eine schließt doch das andere nicht aus ;)
    sei doch tätowierter Jazzmusiker mit Piercing in der Nase und Hut auf dem Kopf.

    Nein im Ernst. Vielleicht brauchst du ne Mischung aus beidem. Aber wo du über Künstler sein schreibst: Bodymod kann auch Kunst sein. Mach doch aus deinem Körper ne Kunst.

    Und aus sich selbst das machen, was man sein will, ist doch das beste, was du tun kannst. Das ist es ja, worauf wir hinarbeiten, oder? Seinem eigenen Idealbild näher kommen, sei es äußerlich oder in der persönlichen Entwicklung. Was nicht heißt, dass man sich selbst nicht im Jetzt-Zustand gern haben kann, aber sich verbessern kann ja nicht schaden ;)

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  2. Danke :D Freut mich! Auch wenn es etwas spät ist.

    Ich glaube es ist schwierig beides zu sein weil beides doch sehr gegensätzlich ist aber ich kann es gut nachvollziehen. Wäre auch gerne anders als ich bin und versuche auch daran zu arbeiten aber mir stellen sich dabei die gleichen Fragen wie dir. Verändert man sich dann zu sehr und driftet vom eigentlichem Ich-sein ab und lebt am Ende nur noch eine Lüge? Nur weil sie cooler und toller aussieht als das eigentliche Ich? Aber ja, eigentlich müsste man dann glücklicher sein weil man dann so ist wie man sein will.

    Naja jedenfalls finde ich es gut dass du wenigstens weißt wie du sein möchtest und daran arbeiten kannst :) Dann halt ein kultivierter Rockstar :D

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