Mittwoch, 20. März 2013

Re: Das männliche Geschlecht und ich

Der folgende Blogpost ist eigentlich ein zu lang geratenes Kommentar zu diesen Post, von diesem Blog. Aber ich glaube die meisten hier folgen ja sowieso schon, also hättet ihr's sicher auch ohne den Hinweis gemerkt.  Geht nur sicher, dass ihr's vorher gelesen habt, dann macht das hier glaub ich irgendwie mehr Sinn.
Thing is : Ich konnte mich da echt ziemlich mit identifizieren.

Ich hatte schonmal vor einen ähnlichen Post zu schreiben, aber das endete nur wieder als halbangefangener Entwurf in einer endlosen Liste halbangefangener Entwürfe.
Ich geb's zu : Ich hab mich vielleicht auch einfach nicht getraut, weil die Menschen da draußen einen so schnell für komisch halten wenn man sowas sagt. Zumindest glaub ich das.

Mein Verhältnis zum männlichen Geschlecht war nämlich schon immer etwas gestört. Nicht, dass ich die gleichen Erfahrungen vorzuweisen hätte, aber irgendwie ist da bei mir auch ne ziemliche Distanz.
Das für mich selbst und wahrscheinlich ja auch für den ein oder anderen sonst Komische an der Sache ist, dass ich hier von meinem eigenen Geschlecht reden muss und mit mir selbst komm ich ja eigentlich einigermaßen zurecht.

Gibt ja ne Menge Leute die behaupten, dass Jungs und Mädchen keine Freunde sein könnten und ich bin auch grundsätzlich der Erste der da widerspricht.
Hätten solche Leute Recht würde die Hand voll Freunde, die ich überhaupt vorzuweisen habe, sich nämlich schlagartig auf Null reduzieren, denn von denen hat und hatte nie jemand einen Penis.

Und das ist der Punkt bei dem ich immer glaube, dass die Menschheit ihn falsch versteht, weil falschverstehen einfach eine der Lieblingsbeschäftigungen der Menschheit zu sein scheint.
Geh mal raus auf die Straße und frag die Leute, wie wohl ein Junge sein müsste, der nur weibliche, aber keine männlichen Freunde hat. Du wirst von "Tucke" bis "Player" allen möglichen Scheiß zu hören bekommen.

Im Grunde ist es aber so, dass ich eigentlich ein, naja, relativ normaler Junge bin. Okay da gibt's das ein oder andere Klischee, was ich entweder einfach nicht erfülle oder auch nicht erfüllen will, aber s ist glaub ich nicht so, dass ich durch irgendein total abartiges soziales Verhalten großartig auffallen würde.
Ich geb mir ja sogar Mühe es nicht zu tun.

Die Sache mit meinem Verhältnis zum eigenen Geschlecht lässt sich auch relativ einfach erklären :
Ich war eigentlich früher immer n Kind, was gesagt hat, was ihm gerade so durch den Kopf ging. Wenn ich traurig war hab ich halt mal kurz geflennt und dann war's auch okay und im Grunde hat das niemanden gestört. Naja zumindest bis zur Pubertät.

Dann begann nämlich diese Phase im Leben eines Jungen, in welcher die Geschlechtsgenossen jede noch so unbedeutende Äußerung auf die (homophobe) Goldwaage legen.
Sprich : Zeig nicht zu viele Emotionen, sprich nicht über deine Probleme und um Himmels Willen hör bloß nicht die falsche Musik oder steh auf Filme die nicht dem Action- oder Horrorgenre zugeordnet sind.
Achso und : schneid dir verdammt nochmal die Haare - alles über ein paar Centimetern ist ja schließlich "schwul".

"Schwul" -  ich hab dieses Wort gehasst. Nicht in seiner wirklichen Bedeutung aber in seiner Verwendung unter Gleichaltrigen. Während sich alle untereinander im Auge behielten um vermeindlich "Homosexuelle" *hust* bei jeder erdenklichen Gelegenheit zu diffarmieren, buhlte man fast schon wettkampfmäßig ums andere Geschlecht.
War jetzt nicht so, dass ich damals noch kein Interesse an Mädchen gehabt hätte, aber dieses ganze prähistorische Sozialgeplänkel und Alphamännchengetue kam mir so sinnlos vor (klingt das so arrogant wie ich denke ? :/ ). Dazu kam, dass es immer nur darum ging der Stärkste und Beste zu sein und ich hab's ja schon mehrmals erwähnt, dass ich früher ziemlich untergewichtig war, ich hatte da also nicht wirklich große Chancen.

Ist dann durch Zufall passiert, dass ich zu der Zeit meine (heutige) beste Freundin kennen gelernt hab und für mich lernen durfte : Mit Mädchen kannst du dich tatsächlich normal unterhalten.
Ich konnte ihr meine Probleme erzählen genauso wie ich alles mögliche cool finden konnte, was ich eben cool fand, ohne Angst zu haben meine Männlichkeit in Frage stellen zu lassen. Man kann mit Mädchen sogar über Mädchen reden und das coole ist : Sie haben Ahnung von solchen Sachen, weil sie ja Mädchen sind!
Schach und Matt.

Dann bekam ich über längere Zeit noch ziemlich Stress mit meinem Dad und die Sache war eigentlich für mich entschieden. Männliche Bezugspersonen hatte ich also keine mehr und ich hatte auch keinen Bock mich irgendwo wirklich anpassen zu müssen um irgendwem irgendwas zu beweisen und bei Mädchen musste ich das nicht.

Bis heute ist es so, dass ich mit Typen zwar ziemlich gut oberflächliche Unterhaltungen führen kann, aber wirklich viel über mich erzählen kann ich ihnen einfach nicht, genauso wie ich wahnsinnig ungerne mit ihnen allein oder zu lange zusammen bin. Ich fühl' mich da auf Dauer eher unter Druck gesetzt nichts "Falsches" zu machen.
Ich weiß, dass es auch Mädchen gibt die vorwiegend männliche Freunde haben und im Gegensatz zu mir, die eben unkomplizierter finden, aber das ist für mich kein Widerspruch.

Wenn auch nur ein einziges Mädchen dabei ist ticken viele Jungs gleich ganz anders, (viele andere vielleicht auch nicht, ich kann nur aus meinen Erfahrungen sprechen), aber auf Machogehabe wie es, gemäß meiner Erfahrung, in reinen Jungsgruppen oft der Fall war, kam und komme ich einfach absolut nicht klar.

Ich bin jetzt aber auch nicht so'n Typ der immer nur politische Korrektheit fordert. Sexistische Witze (gegen beide Geschlechter) sind okay. Wenn sie gut sind. Aber das ist'n anderes Thema.

Okay um dem Post jetzt sowas wie ne Moral für's Ende zu geben :

1. Jungs und Mädchen KÖNNEN nur Freunde sein.
2. Scheiß auf dein Geschlecht, mach worauf du Bock hast.
3. Vollkommene soziale Gleichstellung beider Geschlechter und Abschaffung von Rollenklischees!

Ein weiteres mal danke ich für eure Aufmerksamkeit und Pumkin Purr für die Inspiration.







P.S. : Ich hoffe echt das kam nicht zu arrogant. Ich halte mich nicht für besser als Andere oder so, nicht falsch verstehen. Ich bin nur in manchen Dingen vielleicht n bisschen anders und da bin ich ja auch bestimmt nicht der Einzige. Wie das zu bewerten ist überlass ich der Welt, ich will nur nicht, dass irgendwas falsch verstanden wird, das Problem liegt bei mir und nicht bei den Kerlen, ich kenne einige die auch echt cool drauf sind ! [:

Kommentare:

  1. Tja was soll ich sagen, ich hab fast nur Typen als Freunde und kann einem besonderen alles anvertrauen!

    Ich hatte einfach sehr viel Pech mit Mädels, da wurde viel hintenrum geredet und getratscht und gelästert und sowas kann ich ja gar nicht (ab)...
    Jungs sind da einfach ehrlicher und direkter. Und außerdem muss man sich nicht ständig vergleichen und schauen, wie man aussieht, das ist echt angenehm... obwohl ich gern über Schminke und Klamotten rede, mache ich das doch lieber für mich allein und begebe mich in die Gesellschaft männlicher Zeitgenossen, wo ich dann über Computerspiele, Fantasybücher und Alkohol reden kann ;)

    AntwortenLöschen
  2. Natürlich ist das ok! Freut mich dass es dich zu einem Blogpost inspiriert hat und du mich auch erwähnst :) Ok ich habe ein eher negatives Männerbild aber meine Eifersucht rührt eher daher dass ich überhaupt kein Selbstbewusstsein habe und, genau wie du, immer denke dass es bessere gibt und ich es nicht wert bin usw. Deswegen möchte ich auch keinen Freund haben der mit Frauen befreundet ist und schon gar nicht eine beste Freundin hat xD Das ist für mich ein absolutes No-Go... da würde ich lieber ewig alleine sein weil ich es einfach nicht ertragen könnte.
    War auch erst unsicher ob ich darüber schreiben soll und musste ein paar Tage drüber nachdenken aber ich hoffe einfach dass mich manche Leute jetzt etwas besser verstehen. Was die Freundschaft zwischen Männer und Frauen angeht... ich denke schon dass manche das können aber da ich auch keine männlichen Freunde habe bin ich da eher skeptisch. Habe zwar schon versucht mit jemand männlichen befreundet zu sein aber irgendwie entwickelt einer von beiden dann doch Gefühle. Und das mein Freund keine weiblichen Freunde haben soll, habe ich ja schon geschrieben xD
    Es gibt einfach Typen die besser mit Mädels als mit ihresgleichen können. Hatte so jemanden früher auch in der Klasse und der wurde auch oft als "schwul" bezeichnet. Ich glaube Typen die dann solche Beleidigungen äussern sind selbst eher unsicher und versuchen diese Unsicherheit durch so ein Verhalten zu verstecken. In irgendeiner Weise fühlen sie sich dadurch bedroht und versuchen sich zu profilieren. Also hoffe ich dass du dir nicht so viel aus solche Idioten gemacht hast :D
    Das Frauen oft anstrengend und zickig sind und komplizierter als Männer kann ich nur unterschreiben aber trotzdem fühle ich mich bei ihnen wohler. Auch wenn es manchmal nervt :D

    AntwortenLöschen
  3. ach weißt du, wenn ich manche Kerle ansehen, würde ich mich auch schämen, wenn ich einer wäre ;) Von daher kam das jetzt auch nicht arrogant :)

    AntwortenLöschen