Mittwoch, 20. Februar 2013

Idealisten

Bankkaufmann.

Meine Großeltern haben sich das immer für mich gewünscht. Aus irgendeinem Grund hab ich vor allem bei ihnen immer das dringende Bedürfnis sie doch irgendwie stolz machen zu müssen.
Ich hatte in meiner Kindheit verhältnismäßig viel mit meinen Großeltern zu tun und irgendwie fühlen sie sich bestimmt auch an meiner Erziehung beteiligt. Ich will ihnen also irgendwie das Gefühl geben mich nicht verdorben zu haben.

Wie Großeltern nunmal so sind, vertreten sie halt doch die ein oder anderen eher konservativen Ansichten. Auf der anderen Seite sind sie für Leute in ihrem Alter aber auch wirklich tolerant.
Wenn ihnen meine äußerlichen Veränderungen mal nicht gefallen haben, hab ich das immer erst später indirekt durch meine Mutter erfahren. Akzeptiert haben die nämlich eigentlich alles, weil das ja wahrscheinlich "gerade so modern ist", wie sie immer gedacht haben.

Und jedes mal wenn ich sie sehe hab ich trotzdem das Gefühl, meine Haare halbwegs in den Griff kriegen zu müssen und vielleicht mal ein gebügeltes Hemd anzuziehen, weil ich weiß, dass sie sich drüber freuen würden. Im Normalfall tu ich's dann aber doch nicht, einfach weil ich auch keinem irgendwas vormachen will, genauso wie ich wahrscheinlich auch niemals in einer Bank arbeiten werde.
Das wissen sie wahrscheinlich auch.

Die Kinder von heute wollen ja auch nicht länger im Büro sitzen. Wir sind eine Generation von zukünftigen Schauspielern, Models, Autoren, Fotografen, Musikern und Designern.
Wir werden alle Künstler, wenn wir mal groß sind.

Und so sehr die Träumer unter uns auch dafür kritisiert werden : Wer kann es uns verübeln ?

Ich finde in diesem Traumberufen steckt viel mehr als der Wunsch nach einer unrealistischen hohen Bezahlung und einer großen Portion Ruhm. Viel eher spiegelt sich für mich darin etwas völlig anderes wider. Nämlich der Wunsch nach Individualität.

Ich meine : Was haben diese Berufe denn alle mehr oder weniger Gemeinsam ? Was unterscheidet den Künstler vom Schreibtischbesatzer ?

Die Kreativität!

Es geht hier aber, meiner Meinung nach, auch nicht unbedingt um das bloße "Ausdenken" von Sachen, sondern um die Möglichkeit die eigene Persönlichkeit in die Arbeit einfließen lassen zu dürfen und das ist eine Chance, die die meisten "normalen" Berufe augenscheinlich nicht bieten.

Wir sind aber noch nicht am Ende, denn im Grunde muss man das noch ne Stufe weiter interpretieren. Nächste Frage also : Warum wollt ihr das denn überhaupt ? Reicht es nicht, dass ihr mit eurer Arbeit Geld verdient ?

Nicht den Idealisten.
Natürlich wollen wir über die Runden kommen. Wir wollen uns dafür aber nicht verstellen müssen und genau das ist der eigentliche Punkt :

Wir wollen nicht bloß funktionieren. Wir wollen kein bloßes Verhaltensrezept blind befolgen. Wir wollen keine Arbeit verrichten, die auch gut von einer Maschine verrichtet werden könnte.
Denn wir wollen keine perfekt gekleideten Maschinen sein, sondern einzigartige, unperfekte Persönlichkeiten.
Wir wollen unsere Tattoos nicht verstecken müssen, sondern wir wollen zeigen dürfen wie wir sind.

Und das, liebe Arbeitswelt, ließe sich mit eigentlich jedem Beruf vereinbaren.
Ihr müsstet es nur zulassen.

Mit freundlichen Grüßen, stellvertretend für alle Träumer dieser Welt,


Mittwoch, 13. Februar 2013

Zwangssozialisierung

Ich treff mich morgen mit n paar Leuten. Für mich Grund genug für n Blogpost, schon weil ich das seit ner gefühlten Ewigkeit nichtmehr gemacht hab. Und obwohl das für "normale Menschen" wahrscheinlich die Norm ist und ich absolut nichts zu befürchten hab bin ich deswegen n bisschen nervös. Nicht sehr, aber doch n bisschen.

Das Schöne ist ja, dass ich es nicht mal vor mir selbst begründen könnte, aber vielleicht passiert sowas ja aus Routine. So oder so musste ich mich n bisschen überwinden um keine erfundene Ausrede vorzuschieben, nur damit ich's doch noch absagen kann. Diesmal nicht.

Sozialisierungsmaßnahmen - von mir gegen mich verhängt. Weil ich endlich wieder einigermaßen normal über die Runden kommen soll, jetzt wo mein Leben seit langem mal wieder richtig gut läuft. Ich hab mein verdammtes Abi, die Sache ist also gelaufen und mit der Zeit werd ich das schon in meinen Kopf rein kriegen, weil alles immer besser wird. Zumindest so von der Lebensqualität. Und wieder öfter draußen sein ist nunmal eine der coolen Vorstellungen.

Jetzt hab ich nur vor n paar Tagen diese Mail erhalten. Von einem aus der alten Klasse bzw. aus dem Abschlussjahrgang. Den Leuten, von denen ich mich am letzten Tag verabschiedet und sie seitdem nie mehr wieder gesehen hab, was mich auf eine komische Weise jedes mal gefreut hat wenn ich dran denken musste.

Ich will nicht antworten. Ich hab keine Lust auf :"Und was machst du so, jetzt wo du aus der Schule bist ?". Ich hab die Schule hinter mich gebracht - fertig. Ich hab jahrelang drauf gewartet, ich hab alles mitgemacht und ich hab mich verdammt nochmal nie beschwert oder rumgeheult, aber jetzt, wo ich endlich draußen bin, hab ich meine Ruhe da nicht verdient ?

Ich will nicht antworten. Als ich damals erhobenen Hauptes und stolz, als hätte ich sonst was geleistet, da raus marschiert bin, nachdem ich einen, für mich, wirklich gelungenen Abgang hingelegt hatte, war das erste was ich gemacht habe diesen Post endlich abzuschicken. Und den hier später auch.

Das waren verdammt nochmal keine Scherze und ich fühl mich jetzt leicht beschissen. Ich meine nicht "beschissen" im Sinne von schlecht, sondern im Sinne von "jemanden bescheissen". Ich fühle mich betrogen.

Das Leben hat gesagt :"Hey Clyde, 13 Jahre Schule und erst dann kommst du da raus" und ich hab akzeptiert und die durchgezogen. Wie gesagt, ich hab nicht rumgeheult, ich wusste immer wie lange noch und am Ende war dann alles cool. Bis vor ein paar Tagen diese Mail kam.

Ich will nicht antworten. Ich will nicht wissen wie's euch geht. Ich wünsch euch wirklich alles Gute und dass ihr alle eure Ziele erreicht. Ich hoffe ihr findet eure Traumpartner, bekommt einen tollen Job und verdient jede Menge Kohle, aber bitte, lasst mich verdammt nochmal einfach in Ruhe.

Trotzdem weiß ich, dass ich in weniger als 48 Stunden geantwortet haben werde. Einfach damit niemand von denen denkt ich wäre arrogant geworden. Ich hab bestimmt einige schlechte Eigenschaften, aber ich glaube nicht, dass ich arrogant bin. Ich halte mich auch nicht für besser als diese Menschen, im besten Falle ist es sogar andersrum. Ich war mir nur immer so sicher die jetzt endlich ihr Ding machen zu lassen während ich zum ersten mal Meins durchzieh, weil mich "ihr Ding" nie wieder zu interessieren hat.

Warum ist mir aber nach wie vor wichtiger was die von mir denken, als was ich für mich selber will ?







Dienstag, 12. Februar 2013

Review : "Django Unchained"

Es gibt verschiedene Möglichkeiten dem Karneval einigermaßen aus dem Weg zu gehen. Eine davon wäre zum Beispiel sich 3 Stunden lang in einem dunkeln Kino zu verkriechen, sofern man denn noch Platz findet. Denn als ich mich Samstag für besonders schlau hielt und auf einen leeren Saal hoffte, waren doch genug Karnevalsveranstaltungen zur gleichen Zeit, belehrte mich das Leben eines Besseren und setzte mir einen Kinosaal vor die Nase, der so verdammt voll war, dass ich Glück hatte überhaupt noch einen Platz zu kriegen. Und beide Armlehnen. Nennt mich Gott.
Siehe Überschrift, "Django Unchained", ihr wisst Bescheid.

Story : 

Amerika vor dem Bürgerkrieg : Der ehemalige Zahnarzt und Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz) aus Düsseldorf, ist auf der Suche nach einem Mann, welcher die von ihm gesuchten Brittle Brüder identifizieren kann. So findet er schließlich einen afroamerikanischen Sklaven namens Django (Jamie Foxx) und macht diesem ein Angebot : Sollte er ihm helfen die Kriminellen ausfindig zu machen, damit Schultz sie zur Strecke bringen kann, erhält dieser einen Teil des Kopfgeldes und seine Freiheit. Weiterhin entschließt sich der Kopfgeldjäger Django bei der Suche nach seiner Frau zu helfen. Was die Beiden zu dieser Zeit noch nicht wissen : Diese befindet sich im Besitz des skrupellosen Plantagenbesitzers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio).

Zum Film :

Was haben wir anderes erwartet - Tarantino hat's immernoch drauf. Der Film hat alles : Action, Drama, Liebesgeschichte, ne gute Story und einen wirklich verdammt guten Humor. Normalerweise gehe ich für Komödien nichtmal mehr ins Kino, weil man 90% davon sowieso abschreiben kann und die meisten dieser Filme meinen Humor einfach nicht treffen, aber Django Unchained ist neben der guten Story und einer für Tarantino typischen Gewaltdarstellung, wirklich witzig. Ich rede hier nicht von Slapstick. Der Film bezieht einen sehr großen Teil seines Charmes aus den wirklich unglaublich guten Dialogen, von welchen - und das muss an dieser Stelle mal gesagt werden - keiner schon im Trailer verbraten wurde. Daneben natürlich noch jede Menge pechschwarzer Humor, sofern man denn drüber lachen kann.

Ich muss zugeben, dass ich, obwohl  ich (glücklicherweise) absolut ungespoilert in den Film gegangen bin, relativ hohe Erwartungen hatte und ich halte mich auch für einigermaßen Anspruchsvoll. Ich bin niemand der in einen Tarantino-Film geht und diesen von Anfang an gut findet nur weil Tarantino drauf steht. ABER bei dem hier hatte ich praktisch keine andere Wahl. Der Film ist einfach verdammt cool.

Allen voran verdankt er das, meiner Meinung nach, Dr. King Schultz. Die Rolle wurde Christoph Waltz, den ich schon vor dem Film, jetzt aber noch viel mehr, geliebt habe, ja geradezu auf den Leib geschrieben.
Die erste Hälfte des Films, machte es auf mich sogar den Eindruck, als ob er die eigentliche Hauptrolle spielen würde, spielt er doch alles und jeden (darunter auch Jamie Foxx, der seinerseits aber natürlich auch nicht gerade ein schlechter Schauspieler ist) mit Leichtigkeit an die Wand. Letzten Endes erkennt man aber natürlich noch, wer die eigentliche Hauptperson ist, also keine Sorge darüber. Bester Nebendarsteller für Christoph Waltz ? Ich wünsch es ihm.

Dann ist da natürlich noch DiCaprio, der einen wirklich großartigen Antagonisten abgibt. Seit einigen Jahren, spätestens seit Inception und Shutter Island, hat der Mann ja meinen größten Respekt. Und obwohl er schon so lange im Geschäft ist, hat er, soweit ich weiß, vorher noch nie den Schurken gegeben. Ich hab aber schon vor n paar Jahren gesagt, dass das was für ihn wäre, denn irgendwie hatte er für mich schon immer das Gesicht dazu. Ich klopf mir also einfach mal selbst auf die Schulter und sage : Richtig gedacht - Das hat er nämlich auch drauf.

Nicht zu vergessen ist übrigens auch Samuel L. Jackson, der seine Rolle ebenfalls wirklich gut rüberbringt. Gastauftritte könnte ich erwähnen, für den Fall, dass ihr den Film aber noch nicht gesehen habt, lass ich sie hier erstmal weg. Ist vielleicht überraschender so.

Neben dem wirklich guten Film, erwartet den Zuschauer auch noch ein ziemlich cooler Soundtrack. Tarantino hat hier auch mit aktuellerer Musik experimentiert und obwohl ich im Vorfeld deswegen leicht skeptisch war, ist ihm das natürlich wieder mal echt gut gelungen.

Der Film hat, wie schon erwähnt, fast drei Stunden Laufzeit und obwohl er mir stellenweise das Gefühl gab verschiedene Handlungsepisoden einfach aneinander zu reihen, füllt er die Zeit vollkommen und ohne wirkliche Längen aus.
Einziger Kritikpunkt war für mich eigentlich nur der Folgende :
Nach dem (meiner Ansicht nach) Höhepunkt des Films (wer ihn gesehen hat wird wissen was ich meine), flacht die Handlung für mich so ein bisschen ab. Soll heißen : Sie erreicht einfach nicht mehr diese Höhe auf der sie sich da eben befindet (und diese Stelle ist wirklich großartig). Für mich wäre demnach auch ein alternatives Ende (zusammen mit dem Höhepunkt der Handlung) in Frage gekommen, was ich hier jetzt aber nicht näher ausführen kann ohne zu spoilern. Trotzdem ist das Ende in Ordnung und tut dem restlichen Film keinen zu großen Abbruch.

Ich empfehle übrigens den O-Ton. Christoph Waltz spricht im englischen Original nämlich ebenfalls mehrfach Deutsch, was in der Synchronfassung natürlich nicht rüberkommt. Auf der andern Seite muss ich sagen, dass ich auch nur letztere gesehen habe, weil der Film im Originalton hier nur zu unmöglichen Zeiten und in kaum einem Kino läuft, aber ich werd mir später sowieso die DVD kaufen und das nachholen.

Wertung :

Ich gebe Django Unchained 7,5 von 10 möglichen Punkten. Entsprechend also absolut zu empfehlen. Die IMDb-Wertung beträgt übrigens 8,6 von 10 [Stand 12.02.2013 /  183.499 Votes] 
Apropos : Wenn ihr mal wissen wollt, ob n Film gut ist oder einfach nur gute Filme sucht : Auf die IMDb-Wertungen kann man sich meiner Erfahrung nach in den allermeisten Fällen verlassen. Da Stimmen nämlich Filmfans aus aller Welt ab und wer, wenn nicht die, sollen bitte Ahnung von sowas haben ?

Viel Spaß im Kino an alle die noch das Vergnügen haben sollten!


Freitag, 8. Februar 2013

Karneval

Ich dachte erst an eine Zeile aus nem Karnevalslied oder irgendein Wortspiel, aber die simpelste Überschrift ist manchmal eben die beste.

Feiert ihr Karneval ?

Ich für meinen Teil habs irgendwie aufgegeben. Aus irgendeinem Grund scheint mir die Karnevalslandschaft irgendwie schwarz-weiß geworden zu sein. Metaphorisch. Natürlich ist und bleibt sie physisch nach wie vor bunt.

Also zu diesem schwarz-weiß-Ding : Es gibt das Karneval der Alten und das Karneval der Jungen. Ich betitel das jetzt einfach mal so und ich hoffe ihr verzeiht mir. Natürlich ist die Art wie eine Person Karneval feiert nicht wirklich davon abhängig welches Alter sie hat, aber die Bezeichnungen beruhen ja auch nur auf Klischees.

Einmal ist da also der Traditions-Karneval. Hier versuchen die Leute von jetzt auf gleich lustig zu sein. Mit dem Anbruch der Hauptsaison, also seit spätestens Donnerstag, wird auch der spießigste Steuerfachangestellte zum Klassenclown.
Warum ? Weil man das nunmal so macht.
Man singt die alten Lieder, zieht sich bunte Sachen an, trifft sich auf den immergleichen Sitzungen und lauscht eher zweitklassigem Humor in Reimform.

Die andere Seite der Münze ist der Feier-Karneval. Hier geht's nicht mal wirklich um den Karneval an sich. Man braucht aber nunmal Ausreden zum Feiern. Kostüme, wenn überhaupt, sind allenfalls ein Mittel Feierlaune und/oder Paarungsbereitschaft nach außen zu vermitteln. Diese sind nämlich die eigentlich treibenden Kräfte. Kurz gesagt : Sex, Drugs und Partyschlager. Hauptsache aber wieder mal ein triftiger Grund zur Flasche zu greifen und den Trieben nachzugeben.

Und das, auch wenn ich es eventuell so rübergebracht haben könnte, ist an sich absolut nichts Schlechtes. Wenn die Leute trinken wollen, sollen sie trinken und selbst wenn sie sich durch die halbe Stadt vögeln müssen - bitte. Aber warum zum Teufel immer nur dann, wenn die Gesellschaft es erlaubt ?
Das wirkt so aufgesetzt und unehrlich auf mich.

"Normalerweise würd ich sowas ja nieee tun, aber es ist ja Karneval !" - ist für mich nur eine zweitklassige Ausrede dem eigenen Gewissen gegenüber.
Wenn ihr etwas tun wollt, dann tut es. Warum brauchen wir dafür denn eine landesweit-temporäre Kollektivrechtfertigung ? Ich bitte euch. Das ist schwach.

Was ich seit je her an Karneval mochte waren das Verkleiden und der kostenlose Süßkram, aber das scheint beides so auf seine Weise methodisiert oder in den Hintergrund gerückt worden zu sein.
Während Kostüme nurnoch dafür genutzt werden um entweder a) zu beweisen was man doch für ein "verrückter" Typ ist und b) einfach möglichst viel Haut zu zeigen (was an sich völlig in Ordnung ist, aber einfach nicht der eigentliche Sinn eines Kostüms sein sollte), interessiert sich niemand mehr für den Süßkram. Verdammt, was stimmt nicht mit euch ? Ich liebe doch den Süßkram...







P.S. : Eins zu null für Halloween. Aber das wurde ja mitlerweile, sofern es überhaupt in Deutschland beachtet wird, ähnlich umgeformt.
I'll go make my own society. With black jack and hookers!

Mittwoch, 6. Februar 2013

Review : "Flight"

Ob es eigentlich komisch ist alleine ins Kino zu gehen. Die Frage hab ich mir gestern mal wieder gestellt. Letztendlich war es aber eigentlich auch egal, denn außer mir saßen nicht mal 10 Leute im viel zu großen Vorführraum. Die Frage nach einer eventuell freien Platzwahl hatte sich damit dann auch erledigt.

Kam mir schon ein bisschen wie Sheldon vor, als ich mich da dann 3 mal umgesetzt hab um endlich den perfekten Platz zu finden. Der einzige Nachteil leerer Kinos ist, dass sowas auffällt und die Leute schnell mal anfangen zu starren.

Und wo wir grade bei leeren Kinos sind : Ich hatte irgendwie schon erwartet, dass der Film in Deutschland nicht unbedingt zum Kassenschlager wird. Zu wenig Action und Romantik für den Mainstream-Kinogänger und zu viel Hollywood für die ganzen Intelektuellen.
Ladies und Gentleman, wir sprechen heute über "Flight".

Story :

Okay, stellen wir uns also diesen 0-8-15-Flug vor : Ein paar Stunden von A nach B, Inland, Vereinigte Staaten, also Standardgeschichte. Plötzlich kommt es dann aber zum technischen Vollversagen und der Pilot, high wie auch betrunken, schafft es tatsächlich den Vogel einigermaßen am Stück nach unten zu bringen (oder zumindest die meisten der Passagiere) und wird daraufhin von den Medien zum Helden erklärt. Als er aus dem Koma aufwacht, laufen allerdings, neben den Ermittlungen gegen Flugzeughersteller und Airline, längst auch Ermittlungen gegen ihn selbst : Untersuchungen einer ihm entnommenen Blutprobe, haben ergeben, dass er gut über 2 Promille gehabt haben soll. Dass das nicht ganz legal ist, muss ich wohl nicht erwähnen. Entsprechend droht ihm nun eine ziemlich lange Freiheitsstrafe, auch wenn außer Frage steht, dass niemand außer ihm das Flugzeug überhaupt hätte landen können.

Zum Film :

Zuerst einmal muss ich sagen : Ich hab den Film - und das vielleicht auch wegen des Trailers - leicht falsch eingeschätzt. Flight ist ein Drama. Entsprechend stehen vor allem persönliche statt juristischer Konflikte im Vordergrund der Handlung. Allen voran die Alkoholsucht von Captain Whitaker (Denzel Washington). Trotzdem, vielleicht auch gerade deßhalb, wer weiß : Der Film ist gut. Nicht perfekt, aber ziemlich gut - wenn auch nicht für jeden geeignet.

Nach der ganzen Absturz-Sache, die dem Zuschauer ja bereits bekannt ist, bevor er den Film überhaupt zu sehen bekommt (und der Regisseur weiß und nutzt das!), folgen keine Action-Sequenzen mehr.
Ich geh zwar nicht wirklich davon aus, aber falls hier doch irgendjemand mit einem Film rechnet, welcher 2 Stunden und 13 Minuten lang den Todeskampf eines Piloten mit den Gesetzen der Physik behandelt, wird dieser jemand wahrscheinlich eher enttäuscht werden. Die gesamte Absturzsache nimmt vielleicht die ersten 10-20 Minuten des Films ein und ist im Grunde auch nur hinreichende Bedingung für die eigentliche Handlung. Nichts desto trotz sind die Luft- und Bordszenen ziemlich gut gemacht.

Im Folgenden geht es also wie gesagt hauptsächlich um den Rückzug in die Alkoholsucht und diese wird, zumindest meiner unerfahrenen Meinung nach, relativ realistisch dargestellt. Wir haben hier nicht so viel Hollywoodmäßiges : "Ich muss kämpfen, denn ich weiß Alkohol ist böse", sondern viel mehr "lasst mich doch endlich mit dem Scheiß in Ruhe, ich mache was ich will". Und mit diversen Alkoholexzessen steuert der Protagonist dann auch mehr und mehr auf die eigentliche Verhandlung seiner Strafsache zu, während die für ihn Verantwortlichen ihn doch endlich davon losbringen wollen.

Am Ende des Films, und das ist ein, meiner Meinung nach, größerer Schwachpunkt, holt Hollywood dann doch wieder kurz die Moralkeule hervor. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich mit einem anderen Ende wahrscheinlich glücklicher gewesen wäre, aber diese Meinung muss jeder für sich selbst bilden.
Ansonsten hat der Film ein paar kleinere Längen und ich frage mich ob man für die ganze Handlung wirklich über 2 Stunden in Anspruch hätte nehmen müssen, aber zusammenfassend ist Flight, wie schon erwähnt, ein, für sein Genre, relativ guter Film.

Die Schauspieler sind alle wirklich gut und Denzel Washington hat seine Oscar-Nominierung wirklich zu recht erhalten, auch wenn er, und da bin ich mir ziemlich sicher, diesen nicht gewinnen wird (Bester Hauptdarsteller geht mit ziemlicher Sicherheit an Daniel Day-Lewis).
Besonders hervorheben muss man natürlich John Goodman, der seine, wirklich coole Rolle mal wieder verdammt unterhaltsam rüberbringt. Außerdem hat mir Don Cheadle als Whitakers Verteidiger ziemlich gut gefallen. Filmtechnisch gibt's natürlich auch nichts zu bemängeln und ich kann eigentlich nur sagen : Wenn euch das Thema (insb. Alkoholabhängigkeit) interessiert : Seht ihn euch an, er ist gut. Wenn nicht, dann eher Finger weg. Ist nicht unbedingt Popcornkino.

Wertung :

Ich für meinen Teil gebe Flight 7,0 von 10 möglichen Punkten. Das Ganze deckt sich auch einigermaßen mit der aktuellen IMDb-Wertung von 7,4 von 10 [Stand : 06.02.2013 / 50.635 Votes].






P.S. : Ende dieser Woche kommt dann die Review zu Django Unchained, auch wenn den die meisten die's interessieren würde wahrscheinlich schon gesehen haben :D

Freitag, 1. Februar 2013

Okay, let's do this...

Falls du diesem Blog folgst, sieh das hier als Entschuldigung. Nicht, dass ich der Typ Blogger bin der sich dafür entschuldigt nichts auf dem eigenen Blog geschrieben zu haben, wenn er mal ne Weile nichts bringt, immerhin ist das hier nach wie vor mein Blog und wenn ich mal nichts schreibe, schreib ich halt nichts. Aber in diesem Fall halte ich es doch für angebracht. Immerhin wollte ich posten, hatte aber weder Zeit noch Ideen. Dafür hatte ich Klausuren, mehr als genug.

Ich glaube ich hab für diese Klausurphase an der Uni mehr gelernt als für alle Klausuren und Klassenarbeiten in 13 Jahren Schule einschließlich meiner Abiprüfungen. Trotzdem würde ich behaupten es hat sich einigermaßen gelohnt. Jetzt wo die Klausurphase endlich vorbei ist und ich unglaubliche 2 Monate (!) Semesterferien hab, hab ich schon das Gefühl, dass ich in letzter Zeit echt ne Menge Wissen dazugewonnen hab und irgendwie gefällt mir der Gedanke echt ziemlich. Sachen zu Wissen macht Spaß, vor allem wenn sie unerwarteter Weise zum Thema werden und du endlich mal was zu sagen hast.

Wünscht mir Glück, dass ich alles bestanden hab! Wenn ich irgendwas nachschreiben müsste, würd ich wahrscheinlich in Depressionen versinken...

Übrigens werd ich nächste Woche wahrscheinlich n Kinomarathon machen, weil ich erstens schon viel zu lange nicht mehr im Kino war und zweitens grade ne Menge guter Filme laufen. Wobei ich ja noch nicht weiß ob sie gut sind, weil ich sie eben noch nicht gesehen habe. Dritter Grund ist die Oskarverleihung Ende des Monats. Man will ja wenigstens n paar von den nominierten gesehen haben. Wer letztes Jahr schon dabei war, weiß ja, dass ich dafür auch mal unter der Woche ewig lange aufbleibe, aber dieses mal hab ich ja zum Glück Ferien.

Meine abzuarbeitende Liste wäre : Django Unchained, Gangster Squad, Flight und Lincoln.

Große Enttäuschung übrigens : Cloud Atlas, mein persönlicher bis dato Favorit für "Bester Film" und "Bestes adaptiertes Drehbuch" wurde bei den nominierungen einfach mal völlig ignoriert. Kunstbanausen.

Hätte jemand Interesse, dass ich hier sowas wie n Filmkritik-Post mache in welchem ich die Filme dann reviewe ? (Ich werd's wahrscheinlich so oder so tun, aber irgendwie wär es mir lieber wenn irgendwer von euch sagt :"Oh ja, das wär so toll wenn du das tun könntest, bla bla". Dann würd ich mir damit so nützlich vorkommen!)

Ich kann morgen garnicht mehr erwarten! Noch minus 24 Minuten!
...Leeroooooooooy Jeeeeeeeeenkins!!