Mittwoch, 20. Juni 2012

Wie viel Du ist okay ?

Individualität.

Es gibt zwei Dinge die ich seit meiner Grundschulzeit immer wieder höre.

Nummer Eins nenne ich hierbei einfach mal liebevoll das "...und wenn die Andern von der Brücke springen"-Phänomen. Ich denke wir versteh'n uns. Jeder hat das doch schonmal gehört. Wenn du irgendwas tun willst oder tust, weil es die Anderen auch machen, heißt es immer du solltest doch lieber deinen eigenen Weg finden.

"Entwickle deinen eigenen Stil und sei du selbst. Sei so, wie du sein willst. Sei ein Individuum und sei verdammt noch mal du, egal was die Andern sagen."

Ein Standart Ratschlag. Ein Ratschlag den man von wirklich jedem schonmal bekommen hat und den einem doch auch wirklich jeder für lau hinterherschmeißt.

So weit so gut, wäre da nicht noch Nummer Zwei.

Nummer Zwei ist mein wirkliches Problem. Ich geb' ihm einfach mal den Namen "Hipster-Paradoxon". Nicht, dass es dabei um die entsprechende Jugendbewegung geht, aber die "Hipsterkultur" ist einfach das beste Beispiel dafür.

Jeder hasst Hipster. Selbst Hipster hassen Hipster. Aber warum ?
Der Grund warum wirklich jeder diese nicht mal sicher zu definierenden Pseudorebellen hasst ist, wie es aus fast jeder Antwort auf die oben gestellte Frage hervorgeht, ganz einfach der, dass sie geradezu zwanghaft nach Individualität streben.

Zugegeben, der Klischee-Hipster, wenn es ihn überhaupt gibt, übertreibt.
Schon deßhalb, weil er sich verbiegt nur um "nicht Mainstream" zu sein. Aber ist der Grundgedanke, nicht wie alle Andern sein zu wollen, wirklich so schlecht ?
Und wenn ja, warum sagen einem dann immer alle man solle sein eigenes Ding finden und nicht irgendeiner Mode hinterherlaufen, wenn man doch garnicht nach Individualität streben darf ?

Ein kleines Beispiel für mein Problem :

Seit meiner Kindheit sagen mir meine Eltern (aber auch alle Anderen) ich solle nichts tun nur weil es die Anderen machen. Ich solle also "Ich sein", meinen eigenen Stil finden und tun was ich mag.
Hab' ja auch das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit vom Staat bekommen.

Kommt jetzt aber eine Person mit einer auffälligen Haarfarbe, sichtbaren Piercings oder Tattoos um die Ecke heißt es sofort :"Das ist albern. Diese Person will nur Aufmerksamkeit. Sowas ist doch lächerlich.", die selbe Antwort die ich bekomme, wenn ich nach so einer optischen Veränderung frage.

Okay.
Zusammenfassend heißt das also : Ich soll mein eigenes Ding durchziehen, darf aber nicht auffallen, sonst will ich nämlich nur Aufmerksamkeit. Ist nämlich total unrealistisch, dass ich sowas schön finden könnte. Tut ja auch keiner. Die wollen alle nur Beachtung, n'est-ce pas ?
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Ich finde das ist ein Punkt in dem sich ein Großteil aller Erwachsenen selbst widerspricht.

Entweder ihr sagt uns wir sollen uns irgendwelchen sozialen Normen anpassen oder ihr lasst uns unser eigenes Ding machen, aber Beides ist einfach nicht drin.

Ich glaube fast Eltern benutzen diese beiden Sprüche immer nur so wie sie ihre gerade Kinder formen wollen. Ist das Piercing in Mode heißt es "lass dich doch nicht von der Mode der Andern beeinflussen" und ist es grade Out können sie immernoch sagen "Wer sowas trägt will doch nur auffallen".

Und noch was : Wenn dir jemand sagt du sollst dich nicht von Anderen beeinflussen lassen, darfst du dich dann überhaupt von dem was er sagt beeinflussen lassen und auf ihn hören ?

Wie viel Individualität ist erlaubt ?
Wieviel Ich ist okay ?








Kommentare:

  1. Ich trampel seit gut 3 Jahren so rum wie ich es mag. Am Anfang hab ich mir alles was Mainstream war, selbst verboten. Musste Tokio Hotel hassen (Obwohl ich sie damals ganz nett fand) bloß kein Twilight etc.
    Ich wollte ein totales Individuum sein, einfach anders, so wie kein anderer. Aber mit der Zeit merkte ich einfach, dass es so viele gibt, die so sind. z.B die ganzen Scene Biatches, wie sich manche selbst schimpfen.

    Und jetzt. Jetzt werd ich 15, hab die Mainstream Frisur namens Sidecut, auch wenn sie dennoch eine eigen Kreation ist. Ich färbe wie jeder X-beliebige mit Directions, und stinknormales Rot. Ich hab gemerkt, einfach alles auszuleben. Und dabei habe ich für mich rausgefunden, dass die allgemeine Gothic-Szene oder Rocker-Szene am besten zu mir. Aber ich bezeichne mich jetzt nicht als individuum. Nein, Fragen wie 'Welche Richtung bist du'' beantworte ich mit meinem Namen.

    Es ist so viel Individualität erlaubt, es ist nur wichtig, auf seine eigende Meinung zu achten. Egal, ob man damit so Normal ist wie jeder andere, total Tussig, oder ein Hipster/Glamour-Punk

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    1. Ja, so sollte das sein, das Problem ist nur, wenn du was magst was jeder mag bist du immer gleich ein "Mitläufer" oder "Modesklave" und wenn du was magst was keiner mag unterstellt man dir immer du würdest das nur tun oder mögen um aufzufallen.

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  2. Ach, deine Texte verwirren mich beim 1. Mal lesen manchmal, weil ich dann immer vor'm Laptop sitze und mir denke "Holy shit, das stimmt o.O". Ich liebe das. xD

    Aber die Sache mit der Selbstfindung, dem eigenen Stil, whatever ist wirklich eine ziemlich komplizierte Sache. Im Endeffekt läuft es eigentlich nur darauf hinaus, dass man es nicht allen recht machen kann und dass es doch, zumindest was das betrifft, am wichtigsten ist, dass man selbst gut damit leben kann. :] Und wenn man es so betrachten möchte ist kein Mensch auf besondere Art super individuell, denn irgendwo wird es immer jemanden geben, der das, was man tut, schon vorher getan hat. Darüber sollte man sich keine Gedanken machen, oder? Mir macht das Kopfschmerzen, zu kompliziert. o:

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  3. Mann ist schneller ein wannabe wenn man versucht individuell zu sein, z.B in der emoszene. mir ist es sau egal, was andere über mich denken wenn ich sie nicht frage. wenn leute meinen, ich bin ein wannabe weil ich anders bin, oder ein mitläufer weil ich etwas normales trage, bitteschön

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